Schwere Unwetter in Niederbayern: Sturm weht in Plattling Lkw von Straße − Stadt Regen überschwemmt
|
|
|
Symbolbild für einen Sturm, wie er selten vorkommt. Hinweisschilder an der B8 hielten ihm ebenso wenig stand, wie zahlreiche Bäume, Bauzäune und Hausdächer.
(Fotos: Kellermann)
|
|
|
|
Voll unter Wasser stand gestern Abend auch die Kanalbaustelle am Regener Stadtplatz. (Fotos: Lukaschik/Kellermann/Eß)
|
|
|
|
Mit immenser Kraft hat eine Windböe gestern Abend in Plattling diesen Lastwagen von der Straße geblasen.
|
13.07.2011 - Plattling/Regen. Ein kurzes, aber schweres Unwetter hat gestern Abend in vielen Orten Niederbayerns für abgedeckte Dächer und vollgelaufene Keller gesorgt. Der Deutsche Wetterdienst hatte zwar vor Starkregen mit mehr als 25 Liter pro Quadratmeter, Sturmböen bis zu 120 km/h und Hagel mit Korndurchmesser über zwei Zentimeter gewarnt, doch die Heftigkeit des Sturms überraschte dann viele − die Polizei meldete bis 21.30 Uhr 200 Einsätze. In der PNP-Redaktion in Regen im Bayerischen Wald fiel der Strom aus. In Plattling konnte ein Redakteur der Zeitung ob der vom Himmel fallenden Wassermassen und der peitschenden Windböen minutenlang sein Auto nicht verlassen. Viele PNP-Online-Leser meldeten Blitze und Donnergrollen, doch zumeist sei das Unwetter schnell weitergezogen. In den Landkreisen Deggendorf und Regen wütete der Sturm aber besonders heftig. In Plattling wurden zwei Dächer abgedeckt. Heruntergefallene Trapezbleche schlugen in anderen Dächern ein. Entlang der B8 nach Straubing wurden Bäume geknickt und ein Lkw in den Straßengraben „geblasen“.
In Regen hat der dreiviertelstündige Gewitter-Sturzregen die Innenstadt unter Wasser gesetzt. Besonders betroffen waren die Bachgasse, der Stadtplatz, das Platzl, der Bereich Unterer Sand sowie erneut das Heilig-Geist-Viertel. Die Kanäle konnten die Sturzfluten nicht mehr fassen, das Wasser stand bis zu einem halben Meter hoch. Dutzende Keller wurden unter Wasser gesetzt, in vielen Anwesen stand das Wasser auch im Erdgeschoss. Einen genaueren Überblick über die Schäden wird es erst heute geben. − kk/luk/cds
Quelle: pnp.de
Nachtrag - Pressebericht der Polizei:
NIEDERBAYERN. Knapp einen Tag nach dem Unwetter zeigen sich im Regierungsbezirk Niederbayern nach und nach die Schäden und Folgen. In Obermotzing im Landkreis Straubing-Bogen erlitt ein Mann lebensgefährliche Verletzungen durch einen Blitzschlag, bei Plattling stürzte ein sog "Gurkenflieger" um und verletzte 10 Personen, bei Sautorn gab es vermutlich durch einen regional begrenzten Tornado erhebliche Gebäudeschäden.
Nach und nach zeigen sich am Folgetag des schweren Unwetters, das am frühen Abend des Mittwoch (13.07.2011) durch Niederbayern zog, die zum Teil erheblichen Folgen. Wie der Niederbayerischen Polizei im Laufe der Tages bekannt wurde, erlitt in Obermotzing im Landkreis Straubing-Bogen ein 60-jähriger Mann lebensgefährliche Verletzungen nach einem Blitzschlag. Der Blitz hatte beim Unwetter in das Gebäude eines Wertstoffhofes eingeschlagen und dann den 60-Jährigen getroffen. Der lebensgefährlich Verletzte musste heute aufgrund seines kritischen Zustandes in eine Münchner Spezialklinik verlegt werden. Der Sachschaden am Gebäude liegt bei rund 10.000 Euro. Zu diesem Unglücksfall ermittelt inzwischen auch die Kriminalpolizei in Straubing.
Gerade noch "Glück im Unglück" hatten 10 landwirtschaftliche Hilfskräfte auf einem Feld in Freundorf bei Plattling im Landkreis Deggendorf. Die Personen hatten das Unwetter kommen sehen und sich zum Schutz dazu unter einem sog. "Gurkenflieger" untergestellt. Das landwirtschaftliche Erntegerät wurde durch den Sturm komplett angehoben und samt Traktor umgestürzt. Dabei erlitten 10 Personen Verletzungen, zwei von ihnen wurden schwer verletzt und liegen immer noch in Kliniken. Die Bearbeitung und Aufnahme des Unfalles erfolgte durch die Polizeiinspektion Plattling.
Bei Penzling, Gemeindebereich Aholming im Landkreis Deggendorf knickte das Unwetter Starkstrommasten wie Zündhölzer. Einer der gut 20 Meter hohen Masten wurde völlig zerstört, vier weitere wurden mittig oder an der Spitze abgeknickt.
In der kleinen Ortschaft Sautorn im Landkreis Deggendorf wurden zahlreiche Gebäude zum Teil schwer beschädigt. Nach Rücksprache mit dem Deutschen Wetterdienst in München spricht vom Schadensbild und dem Gesamtpotential des Unwetters her vieles dafür, dass hier ein Tornado wütete. Beobachtet werden konnten in und um Niederbayern Windgeschwindigkeiten von bis zu über 100 km/h.
Auf der BAB A 92 in Fahrtrichtung München im Gemeindebereich Otzing kam ein Lkw mit einem Gewicht von 7,5 t nach Orkan-Böen ins Schleudern und wurde umgeworfen. Der Fahrer blieb glücklicherweise unverletzt.
Gewütet hat das Unwetter auch im Bayerischen Wald. So berichten die Polizeidienststellen in Zwiesel und Regen von zahlreichen Schadensfällen: in Regen stand am Abend nach wolkenbruchartigen Regenfällen fast der gesamte Stadtplatz bis zu einem halben Meter unter Wasser. In Frauenau bei Zwiesel wurden in einem engen Bereich etwa 25 - 30 Häuser zum Teil abgedeckt. In einem Waldstück entlang der Staatsstraße 2132 Richtung Spiegelau steht auf einer Länge von mehreren Kilometern und bis zu hundert Metern Breite kein Baum mehr. Auch in anderen Bereichen gibt es zum Teil großflächige Baumschäden.
Eine Gesamt-Schadensprognose ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, da die einzelnen Schäden Betroffener erst nach und nach bei den Versicherungen gemeldet werden. Erste vorsichtige Schätzungen gehen jedoch in den mindestens siebenstelligen Euro-Bereich.

