Hochwasser: Katastrophenfall musste nicht ausgelöst werden
Dauereinsatz für Rettungskräfte: THW mit Weltneuheit im Einsatz - FFW hält Dammwache
Straubing. (su) Mit jeder neuen Meldung sank der prognostizierte Pegel der Donau seit Freitagmittag. Die Mundwinkel der Katastrophenkräfte und der Anwohner hoben sich dementsprechend. Freitagmittag gab es noch keine Auskunft, zu tief saß wohl der Schrecken beim Katastrophenschutz-Team der Stadt vor den vorhergesagten 8,50 Meter. Im August 2002, dem letzten verheerenden Hochwasser, waren es 7,49 Meter. Abends hieß es dann: "Bis zu 8 Meter". Schon besser, aber immer noch ein Szenario für den Katastrophenfall.
Da lief bereits der Bau der THW-Sandsackbarriere rund um den Königshof an der Ittlinger Straße. Der letzte Teil der Hochwasserschutzmaßnahmen am Allachbach ist dort noch nicht fertig gestellt. Die Prognosen am Samstag sprachen von 7,50 Metern, die später auf 7 Meter korrigiert wurden. Samstagabend zog man davon noch einmal zehn Zentimeter ab, neun addierte das Wasser aber wieder hinzu: Der Scheitel in Straubing erreichte Sonntagnacht 6,99 Meter.
"Straubing kommt meist glimpflicher davon als andere", erklärte ein Feuerwehrler auf Damwache, der sich freute, dass vor rund neun Jahren begonnen wurde, den Hochwasserschutz in Straubing zu verbessern. Über den "wichtigen halben Meter" von 7,50 auf sieben Meter runter, war der OB am Samstagmorgen besonders glücklich. Der Katastrophenfall, den man "schon in der Schublade hatte", musste nicht ausgerufen werden. OB Markus Pannermayr und die Bürgermeister Maria Stelzl und Hans Lohmeier mit Amts-Vertretern hatten ein Auge auf die Entwicklung.
"Straubing ist glimpflich davon gekommen." Das stimmt in der Gesamtheit. Jedem, dem sein Keller vollgelaufen ist, sieht das sicher ein bisschen anders. Feuerwehr und THW schauten sich einige an, pumpten aber meist nicht ab. Stadtbrandrat Rainer Heimann bittet dafür um Verständnis. Läuft ein Keller wegen des gestiegenen Grundwasserspiegels voll, bringe es meist nichts abzupumpen, da gleich wieder Wasser nachläuft. Außerdem könne dies zu weiteren Schäden am Haus führen. Erst nach dem Hochwasser werden Keller trockengelegt.
Beim Königshof war wie am Schanzlweg das THW im Einsatz. Die tatkräftigen Straubinger in Blau unter der Führung von Hans-Peter Schmelber hatten sich Unterstützung aus München geholt. Das THW-München-Ost kam mit einer Neuheit, die zum ersten Mal im Ernstfall eingesetzt wurde. Das "Sandschlauchschaufelsystem" kann mit Hilfe eines Radladers, der in seiner Schaufel eine Transportschnecke hat, bis zu 25 Meter lange Sandsackbarrieren auslegen. Und das weit schneller, effektiver und kostengünstiger als mit bisherigen Sandsäcken.
Tiefbauamtsleiterin Cristina Pop bangte um das Klärwerk. Der Damm der Aitrach auf Klärwerk-Seite ist noch nicht erneuert, die Anlagen im Klärwerk schon. Bei einer Überflutung wären "Millionenschäden" zu beklagen gewesen. Ein Lob spricht sie ihren Mitarbeitern vom Bauhof aus, die nach wochenlangem Schneeräumeinsatz jetzt zusätzlich zu Straßenreparaturen mit Absperrungen und Kanalinspektionen zu kämpfen hätten. Alle Löschzüge der Feuerwehr und das THW teilen sich seit Freitag die Dammwachen. Rund um die Uhr werden noch bis heute mindestens alle drei Stunden die Dämme kontrolliert.
Am Sonntag, bei frühlingshaften Temperaturen, nutzten hunderte von Familien und Hobbyfotografen die Chance, sich selbst ein Bild zu machen. Hochwasserschauen statt Fernsehschauen.
Quelle: idowa.de

